Why I choose the bear

An die Frauen: Welche dieser Situationen durch einen oder mehrere Männer hast du schon erlebt?


  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    118
Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #1
Da ich einen anderen Thread nicht sprengen will, ich aber das Thema wichtig finde, möchte ich jetzt doch einen Thread erstellen. Da es ein sensibles Thema ist, hab ich es erstmal in "Missbrauch und Vergewaltigung" erstellt. Wenn die Moderation es hier aber thematisch ganz unpassend findet, möge sie es bitte verschieben.

Der Gedanke hierzu kam mir nach diesem Thread: https://www.planet-liebe.com/threads/flugplatzreservierung-frauen-haben-die-option-plätze-neben-männern-zu-meiden.627614/
In jenem Thread wurde (teilweise gelöscht) mehrfach angezweifelt, wie viele Frauen auch in Deutschland Erfahrung mit sexueller Belästigung gemacht haben und ob das wirklich ein Problem darstellt. Und das hat mich so geärgert, dass ich dazu hier diese Umfrage machen möchte, in der Hoffnung, dass das Problem vielleicht doch vom ein oder anderen als Problem doch noch wenigstens anerkannt wird. Leider geben es die technischen Möglichkeiten nicht her, dass nur Frauen abstimmen können, weshalb ich die Umfrage leider offen halten musste (also man sieht, wer auf was geklickt hat). Ich hoffe, ihr verzeiht mir das, aber mir fällt keine Möglichkeit ein, wie die Umfrage sonst nicht von einigen Herren verzerrt wird. (Wenn ihr deshalb lieber nichts klicken wollt, ich versteh das. Ist ein sehr sensibles Thema.)

So, warum der Titel? Es gab letztes Jahr eine Umfrage mit einem Gedankenexperiment: Wenn du als Frau allein im Wald bist, auf wen würdest du lieber treffen: Auf einen fremden Mann oder auf einen Bären?
Die überwältigende Mehrheit der Frauen wählte den Bären. Warum? Nunja, das hat diese nette Dame gut zusammengefasst:

An die Personen, die hier zweifeln wollen, die sich deshalb angegriffen fühlen, diskriminiert und zu Unrecht in Sippenhaft genommen fühlen oder so tolle Ratschläge wie "wehrt euch" anbringen wollen: Dieser Thread ist NICHT für euch. Es geht nicht um euren Unglauben, niemand muss euch irgendwas beweisen, es geht nicht um eure fragilen Egos, die sich davon angekratzt fühlen, ihr seid hier NICHT willkommen. (Und ich werde die Moderation auch bitten, jeden entsprechenden solchen Beitrag zu löschen)

Diejenigen, die solches Verhalten "nicht so schlimm" finden: Wenn ihr eine Frau seid und euch damit so arrangiert habt, dann will ich euch da diesen Beitrag zu eurer geistigen Gesundheit nicht madig machen, aber akzeptiert, dass es eben vorkommt und dass andere Frauen das sehr wohl schlimm finden. Ich hab die Umfrage auch extra so gestaltet, dass ich nicht frage, wie schlimm man das einzelne Vorkommnis fand.
Wenn du ein Mann bist und es nicht so schlimm findest: Aus dem tiefsten Herzen meiner Seele: Fick dich und bleib hier weg.

Alle anderen, die berichten wollen, was ihnen oder weiblichen Bekannten passiert ist, was sie als Augenzeuge erlebt haben und warum sie "lieber den Bär als den Mann" wählen: Danke für euren Mut und herzlich willkommen.

Sollte ich irgendwas wichtiges in der Umfrage vergessen haben, bitte bescheid geben, damit ich es ergänzen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • Themenstarter
  • #2
Ich will dann auch gleich mal den Anfang machen.

Catcalling zähl ich jetzt nicht alles auf, das wär zu viel und kommt zu oft vor. Auch die „scheinbar zufälligen" Berührungen werd ich jetzt nicht alle aufzählen. Dass da „rein zufällig" dann ein Kerl so im Bus neben mir „stehen musste", dass mir sein Gemächt in die Schulter und halb ins Gesicht drückt oder er „ganz eng" an mir vorbeigehen „musste", obwohl da noch jede Menge Platz war und er sich auch einfach anders herum hätte drehen können im Zweifelsfall, kam so oft vor, dass ich es nichtmal zählen könnte, wenn ich wollte.

Ich fang mal an mit dem Sportlehrer, der für die Sportlehrerin eingesprungen ist, und – natürlich nur bei den hübschen Mädchen – dann am reck „Hilfestellung" geben musste, wofür er sie am Hintern festhalten „musste", obwohl mir Mädels es sowieso gewohnt waren, uns untereinander Hilfestellung im Sportunterricht zu geben und da nie irgendwer den Hintern des anderen anfassen musste. Wir waren 14.

In der Pause beim Anstellen am Schulkiosk unterhalten sich zwei Jungs vor mir über meine Brüste. Ich war 11. Sie waren schätzungsweise 15. Plötzlich kommt einer auf die grandiose Idee, dass er sie mal anfassen will, was er dann auch prompt tut. Ich bin heulend aufs Mädchenklo geflüchtet.

In der Disco als Teenie unterhalte ich mich mit einer Freundin und plötzlich baut sich vor mir ein Kerl auf, der mindestens 2 Köpfe größer ist als ich und schiebt sich zwischen mich und meine Freundinnen, um anzüglich an mir runterschauen zu können, und stützt sich mit einem Arm an der Wand neben mir ab. Mir blieb nur der Fluchtweg unter seinem Arm durch wieder zu seinen Freundinnen Ich war 16.

Bei meinem ersten Freund und mir lief es gegen Ende der Beziehung schlecht. Deshalb hatte ich keine Lust auf Sex mit ihm, aber wir haben trotzdem noch nebeneinander geschlafen. Eines Nachts wache ich auf und spüre, wie er mein Höschen runterzieht und versucht, seinen Penis zwischen meine Pobacken zu schieben. Als ich schreiend und panisch um mich getreten habe, hat er sich tausendfach entschuldigt, das sei nur der Sexentzug gewesen und ich solle doch jetzt vor ihm deshalb keine Angst haben und ihm weiter vertrauen… Ich war 18.

Ich hatte mir einen Bänderriss zugezogen und musste deshalb mit der Tram fahren, um zur Kontrolle und wieder heim zu kommen. In der Ubahn ist schon ein Typ, der mir Komplimente macht. Ich sag ihm, ich hab kein Interesse, ich bin verheiratet. Er „Macht doch nix" und läd mich weiter explizit zu Sex ein. Ich sag mehrfach laut nein.
An meiner Station steig ich aus und bemerke nicht, dass der Kerl auch ausgestiegen ist. Wegen kaputtem Fuß nehm ich die Rolltreppe nach oben und spür plötzlich, wie sich der Kerl von hinten an mich randrückt und mir ein „Ich bin so geil" ins Ohr stöhnt. Ich war 31. Die Rolltreppe war voll und ich konnte erstmal nicht weg, und obwohl ich ihn angefaucht habe, hat mir natürlich niemand geholfen.

Das sind jetzt so meine schlimmsten Highlights. Wahrscheinlich würden mir noch mehr einfallen, aber die haben bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
 
M
Benutzer181426  (43) Verbringt hier viel Zeit
  • #3
Rückblickend finde ich seltsamerweise nicht mal das Joy-Date am schlimmsten, bei dem dieser Typ offenkundig zu dämlich war, Kondome in seiner Größe mitzubringen und trotz meiner klaren Ablehnung einfach mal probierte, ob ich nicht doch zulassen würde, dass er mich ohne eines fickt. Vielleicht war es gefühlt nicht so schlimm, weil ich schlussendlich gut aus der Situation raus kam, auch wenn ich ihn wahrscheinlich hätte anzeigen können.

Am scheußlichsten finde ich rückblickend die allererste Erfahrung dieser Art, weil ich mich dort wohl am hilflosesten fühlte. Geburtstagsfeier meiner Tante mit Familie und Freunden, ich war elf (!!!). Der Typ dürfte wohl um die 50 gewesen sein, und stellte nicht etwa fest, wie groß ich geworden war, sondern " Die kriegt ja schon Brüste!", wovon er sich offenbar auch direkt durch anfassen überzeugen musste. Ich wusste gar nicht, wohin mit mir. Nicht nur, dass ich es nicht wagte, etwas zu sagen, so weit ich mich erinnere, wies ihn auch sonst niemand in seine Schranken.
 
Mirella
Benutzer136760  Beiträge füllen Bücher
  • #4
Off-Topic:
Die Abstimmung sollte anonym sein.
 
Nevery
Benutzer72433  Planet-Liebe ist Startseite
  • #5
Puh, alles aufzuzählen würde auch bei mir den Rahmen sprengen - und an manches möchte ich auch garnicht so genau denken. Nen paar Highlights...

Mit 13 oder 14, umzingelt von ner Gruppe Jungs, die mir "zeigen wollten, wie ein BH funktioniert" - ich hatte grade die ersten zarten Ansätze von Brüsten und kein BH der Welt hätte mir gepasst, sie hatten nen riesigen BH und versuchten mir Pullover und Shirt hochzuziehen. Davongekommen mit blauen Flecken und Schrammen, aber ohne die (vollzogene) Demütigung - hab halt auch hemmungslos ausgeteilt.

Mit 15, mein erster Freund. Er hat mich trotz aller Gegenwehr, trotz "NEIN" und "hör auf" und heulen vor Schmerz, anal vergewaltigt. Ich lag auf dem Bauch, er auf mir, ich hatte körperlich keine Chance.

Mit 20, ausgegangen mit dem damaligen Freund, er holte uns grade was zu trinken, ich war auf der Tanzfläche geblieben. Hält mich auf einmal von hinten nen Typ fest, reibt seine Erektion an meinem Hintern und lässt trotz aller Gegenwehr nicht los. Als mein Freund zurück kam ist er stiften gegangen.

Mit Anfang 20, angestellt bei Macces, Abends am putzen, unter nem Tisch, auf den Knien. Haut mir ein Typ von hinten auf den Arsch. Unter dem Tisch rausgekrochen, ihm erklärt dass er sich jetzt von mir entfernt oder ich den Schichtleiter hole, sein Kumpel stand dabei und fand das wohl sehr amüsant, er hat sich nicht beeindrucken lassen. Als ich laut geworden bin drohte er mir, sie warten draussen auf mich, ficken mich erst zusammen und stechen mich dann ab. Standen auch tatsächlich noch lange im Auto auf dem Parkplatz, Schichtleiter sagte, er kann da nichts machen, ist nicht verboten. Hab ne zweite Schicht angehängt und habe mich morgens von der folgenden Schichtleiterin die dann ebenfalls Feierabend hatte zum Bus begleiten lassen. Die nächsten Spät- und Nachtschichten hatte ich ziemliche Angst.

Mit Mitte 20 nachts nach der Weihnachtsfeier, leicht angetrunken, mir wurde vom Bus fahren übel, bin an einer Haltestelle raus um nicht drinnen zu kotzen. Ein Mann griff mich am Arm, zog mich weg, dachte erst noch er will mich zur Sitzbank bringen oder so, als er mich in eine Seitenstraße zog hab ich angefangen mich zu wehren, "lass mich los", er zog mich weiter mit "ich fick dich jetzt". Panik, augenblicklich stocknüchtern, aber leider körperlich absolut unterlegen. Laut angefaucht, die Irritation genutzt um mit der freien Hand hart mit der Kante gegen den Hals zu schlagen, losreissen können und gerannt. Die Haltestelle kann ich seitdem nicht mehr nutzen, habs nen paar Mal versucht, weil es echt super unpraktisch ist wenn die nicht mehr in Frage kommt, aber Herzrasen, Zittern, Panik... geht nicht.

Der Rest läuft unter "will ich wirklich nicht dran denken oder drüber schreiben" oder "Alltag halt, was soll ichs das xte Mal erzählen".
 
Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • Themenstarter
  • #6
Off-Topic:

Die Abstimmung sollte anonym sein.
Ich weiß, wollte ich eigentlich auch. Aber ich hab Sorge, dass einige bestimmte Herren das dann verzerren würden (und nein, ich vertraue ihnen da nicht). Hab ich deshalb im ersten Post geschrieben, dass ich verstehe, wenn deshalb jemand nicht mitmachen möchte. Sollte ich vielleicht noch fett machen, damit sich niemand verklickt und dann bloßgestellt fühlt.
 
Greeny
Benutzer150857  (36) Sehr bekannt hier
  • #7
Schnalzen, Pfeifen, anzügliche Sprüche, anstarren und über die Lippen lecken usw., alles seit der Jugend zigfach erlebt. Das ekelt mich an, aber nach ein paar Stunden ist das tatsächlich vergessen.

Andere Erlebnisse kommen dann schon eher immer mal wieder hoch, zum Beispiel als ich mit ca. 12 auf einer Veranstaltung von einer Kinderserie (Schloss Einstein) war. Zwei Darsteller wurden interviewt und ich stand mit meiner Freundin im Publikum (meine Eltern waren draußen). Hinter mir stand ein Mann, der immer näher kam. Ich rückte immer weiter vor, weil mir der Körperkontakt natürlich unangenehm war. Aber er rückte nach und irgendwann rieb er durch die Hose seinen Schwanz an meinem Hintern. Bin dann immer wieder etwas weggerutscht, dann hat er es kurz gelassen, kam wieder nach, dazu ein absolut widerliches Atmen und Seufzen. Irgendwann ist er gekommen. Aber ich war wie versteinert, ich hab mich nicht mal getraut wegzugehen, weil ich meiner Freundin davon nicht erzählen wollte. Ich hatte sogar einen Fleck auf der Hose am Po.
Keine Ahnung, es ist mir unbegreiflich, warum ich nicht weggegangen bin, aber es ging nicht.

Naja und natürlich noch einige Arschgrabscher in Discos. Männer, die auf einmal angetanzt kamen und gleich die Hände an meine Hüften legten. Männer, die im Bus neben mir saßen, und mich anstarrten und dabei stöhnten und laut atmeten. Es gibt wenig, was ich derart widerlich finde.

Als Kind bin ich von einem Mann auf dem Schulweg bis nach Hause verfolgt worden. Meine Nachbarin hat mich vermutlich vor Schlimmerem gerettet.
 
Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • Themenstarter
  • #9
LULU1234
Benutzer107106  Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
  • #11
Pfeifen und Sprüche kenne ich auch.
Grabscher an den Arsch in Discos oder innerhalb der Schwiegerfamilie (seltsam, dass ich da nicht mehr hingehe). Berührungen von Arbeitskollegen (streicheln am Arm, am Knie), erzwungene Umarmungen, Männer die im Bus bei gespreizten Beinen den Oberschenkel gegen meinen drücken, im Bus das Reiben mit dem Unterkörper am Hintern.

Ach und ganz vergessen: entblößen des Penis mitten am Bochumer Hauptbahnhof bei Tag und das Grabbeln im der Hose bei Augenkontakt. Jammi.
 
LULU1234
Benutzer107106  Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
  • #12
Mit Blick auf die Bären-Situation und weil meine Freundin aus Gründen nicht selbst abstimmen kann: Femizid im Freundeskreis (+ Kinder).
 
Eule
Benutzer68009  (35) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #13
Meine Begründung, warum ich das nicht-anonym gemacht hab, hast du aber schon gelesen, oder?
Mea Culpa, da war ich zu schnell am Abzug, Tschuldigung.

Man kann es leider nicht mehr zurücksetzen, nachdem man es einmal anonymisiert hat.

Tut mir wirklich leid. :X3:
 
Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • Themenstarter
  • #14
Brml. Naja, machen wir das beste daraus und ich hoffe einfach mal, dass alle Personen in PL genug Anstand haben, bei so einem wichtigen und sensiblen Thema nicht aufgrund von verletztem Stolz oder sonstiger Ressentiments falsche Stimmen abzugeben
 
LouisKL
Benutzer10752  Beiträge füllen Bücher
  • #15
Ich halte es auch für sinnvoll, dass es nicht anonym ist.

Und ich halte eine solche Statistik für sehr sinnvoll. Ich gestehe, dass auch ich erst vor einigen Jahren durch #metoo erst so richtig und eindrücklich verstanden habe, wie verbreitet bestimmte Dinge gegenüber Frauen sind und wie komplett verrückt (und beschämend) es eigentlich ist, dass wir uns als Gesellschaft daran gewöhnt haben. Sämtliche Menschen, die immer wieder betonen, dass wir angeblich ja längst völlige Gleichberechtigung erreicht haben, sollten täglich mit solchen Ergebnissen überschüttet werden (oder vermutlich einfach mal einen Tag als Frau durch die Welt laufen).

Nebenbei bemerkt fände ich es durchaus aufschlussreich, eine ähnliche Umfrage für Männer mal aufzusetzen, aber ich habe das Gefühl, man müsste da etwas mehr Gedanken reinstecken, welche Auswahlmöglichkeiten man gibt. Meine Vermutung wäre, dass bestimmte Vorfälle nämlich durchaus auch von Männern gegenüber Männern vorkommen. Zum Beispiel unerwünschte und unangenehme Berührungen, Gewalterfahrungen, etc., die in ähnlicher Weise von der Gesellschaft teilweise als normal hingenommen werden ("Männer raufen halt gerne untereinander"). Und andere Dinge eben wieder nicht. Könnte auch nochmal verdeutlichen, dass Frauen bestimmten Erfahrungen exklusiv ausgesetzt sind. Aber ich glaube, um hier aussagekräftig zu sein, bräuchte es eine professionelleres Setup, als eine Foren-Umfrage leisten kann. Zum Beispiel auch die Frage, ob das "einmal im Leben" passiert ist oder häufig. Meine Vermutung wäre nämlich auch, dass bestimmte Dinge durchaus gelegentlich Männern unterlaufen, aber eben nicht in der Häufigkeit, wie sie Frauen erleiden müssen.
 
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janewayne
Benutzer199726  (41) Verbringt hier viel Zeit
  • #55
janewayne janewayne wenn du damit mich meinst, das tue ich nicht.
Nein, dich meinte ich nicht. Es gab neulich das Thema im Dating Thread als Caelyn Caelyn nicht wirklich geglaubt wurde und darüber philosophiert wurde ob Frauen mit bestimmten Körperformen (große Brüste) eher betroffen sind. Das hat mir weh getan. Denn es kommt ja immer wieder ein unterschwelliges "was hast du getragen, wie hast du dich verhalten, wo hast du dich rumgetrieben, warum passiert dir das ständig und anderen nicht". Ich nenne das mal Slut Shaming. Und das tut mir weh. Punkt. Ob mein Gefühl gerechtfertigt ist oder nicht. Es tut weh und ich kann für keine der Sachen, die mir passiert sind etwas.

Ich darf große Brüste haben, ich darf sexy sein. Ich darf alleine reisen, ich darf alleine clubben, ich darf mich rum treiben, ich darf mit enger Leggins Sport machen. Ich darf flirten, ich darf sexpositive sein.
Punkt.

Und nochmal: es ist KEIN Kompliment. Schönes Aussehen begünstigt es nicht und unschönes Aussehen verhindert es nicht. Und es gibt auch keine Frauen, die geborene Opfer sind. Manche haben einfach ein Scheiß Pech. Die meisten Übergriffe finden im Familien und Freundeskreis statt.
 
T
Benutzer177597  Verbringt hier viel Zeit
  • #102
Ich solle bitte einfühlsam und geduldig sein, sie sei im Volksschulalter vom Großvater sexuell missbraucht worden. Wir waren beide 16. Ich hatte nen Stein im Magen.
Mit 19, andere Frau, selbes Schicksal. Der Onkel beim Babysitten. Als sie 5 war. Der Ex: Anal gegen ihren Willen. Es hat über ein Jahr gedauert, bis sie mir vertrauen konnte. Wir sind bis heute befreundet und es brennt bis jetzt in mir, wenn ich daran denke.

Anfang 20: Eine meiner besten Freundinnen erzählt mir, dass sie bereits mit 12 von Typen auf ihrem Schulweg belästigt und teilweise zum Einsteigen in Autos gedrängt wurde. Auch vom Ex, der sie als Schlampe, dumme Sau und Nutte beschimpfen musste, wenn sie mit anderen Kerlen sprach. Als wir 17/18 waren. In der Schule.
Mitte 20: Eine andere Freundin und ich sind auf einer Veranstaltung und tanzen. Nach einer Weile bittet sie mich (ich hab's eh gesehen) so zu tun, als sei ich ihr Kerl. Sie hätte genug davon, dass ständig irgend ein Arschloch meint, seinen Schwanz an ihrem Becken reiben zu müssen.

Mitte bis Ende 20: Nette Menschen und ich mieten einen Raum, veranstalten Lesungen, Konzerte, Partys und auch Workshops zum Thema sexualisierte Gewalt. Wir überlegen, tun, handeln, sensibilisieren - es hilft alles nichts, selbst in diesem Kontext kommt es zu Übergriffen. Nach nicht einmal einem Jahr wird ein Tag in der Woche nur für Frauen geschaffen. Es ist notwendig.

Meine Freundin erzähl mir von sexuellen Übergriffen ihres Ex-Schwiegervaters. Wir sind keine 30.
Ein paar Jahre später. Eine Frau mit der ich intim bin, schildert mir ihre Vergewaltigungsfantasien und ihre Verzweiflung darüber, ob diese nicht doch mit der Vergewaltigung zu tun hätten, die sie mit 15 erleben musste. Bewusstlos auf einer Party, ohne aktiver Erinnerung daran. Der Täter wurde in flagranti erwischt. Deshalb wisse sie das überhaupt.

Ein Freund geht ins Gefängnis. Er hatte einen Typen fast tot geschlagen, als dieser auf einem Festival versucht hatte die Freundin meines Freundes zu vergewaltigen. Er war nur kurz Getränke holen, sie alleine im Zelt. Der Vergewaltiger wird nicht verurteilt. Keine Beweise. Ihre Aussage zählt nicht, könnte ja nur eine Schutzbehauptung sein. Wir sind Mitte 30.

Eine Affäre erzählt mir, wie ihr Vater einen Typen von ihr runterzerren musste, weil dieser ihr Nein nicht akzeptieren wollte. Der Typ war ihr Ex. Sie fast 30 und mit ihm nur zu Besuch bei ihren Eltern. Sie weinte so laut, dass der Vater wach wurde und nachschauen ging. Da war ich 36.

37. Ich lerne meine heutige Partnerin kennen. Ihr Ex stalkt sie. Schreibt ihr übergriffige Nachrichten. Sie kommt alleine klar. Nach ein paar Monaten muss ich dennoch einschreiten. Erst dann hört es auf.
Sie lernt einen Kerl kennen, den sie platonisch sympathisch findet. Beim ersten Treffen zum Kaffee, erzählt er von seinem Schwanz. Es folgen Nachrichten, Anrufe, Belästigung am Arbeitsplatz. Der Arsch ist ein Freund ihrer Chefin. Diese meint nur: Ah, nimm ihn nicht so ernst. Männer sind halt so.
Sie lernt einen netten Kerl kennen. Nach dem dritten Date, erklärt er ihr, SEINE Frauen hätten nicht alleine in Bars/Clubs zu sein. Sie hatte ihm nur von einer Party erzählt. Er wisse von mir (nona) und sie sei sowieso eine Schlampe. Irgendwie hat sie keine Lust mehr auf offene Beziehung. Komisch.

Ich bin 40. Eine langjährige Freundin ist nach dem Sport alleine in der Umkleide. Sie wird von einem Teenager attackiert. Er versucht, sie zu vergewaltigen. Als sie sich wehrt, schlägt er sie zusammen, zieht ein Messer, sticht sie nieder und geht, als er glaubt, sie sei tot. Sie kann sich auf den Gang schleppen und wird gefunden. Überlebt knapp. Folgeschäden und Traumatherapie. Bis heute.

Vor zwei Monaten: Meine Partnerin wird im vollbesetzten Bus von einem Typen verbal attackiert, beleidigt, angeschrien, bedroht. Grund: Sie hatte keine Lust, eine Unterhaltung zu führen. Niemand hilft.

Diese Fälle sind aus Personenschutzgründen verzerrt dargestellt, jedoch real.

Wieso die Altersangaben? Weil ich demnächst 44 werde und aus jedem einzelnen verdammten Lebensjahr - seit ich 15 war - solche Storys erzählen könnte. Grabschen, Catcalling, bedrängen am Arbeitsplatz, in der Uni, im Supermarkt, etc. - Dafür würde dieser Thread nicht ausreichen.

Es passiert. Ständig. Um jeden von uns herum.

Und mir geht das Geimpfte auf, wenn ich Typen darüber philosophieren höre, wie ungerecht es doch sei, wenn Frauen sich Schutzzonen wünschen und dabei NULL praktische Erfahrungen mit diesem Thema haben.

Oder irgend etwas von - Aber mir hat noch nie eine Frau sowas erzählt - daherbrabbeln. Ja, Typ. Lies einfach Mal deine eigenen Beiträge. Keine Frau, die bei Verstand ist, würde ausgerechnet DIR etwas anvertrauen.

Ich schreibe das übrigens auch, weil ich der Meinung bin, dass auch ein Mann sagen muss: Ja, ich weiß, dass das so ist, dass es passiert, ihr seid nicht alleine. Mag ev. auch etwas egoistisch auf meine Psychohygiene wirken. Ist mir scheißegal.
 
Zuletzt bearbeitet:
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Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • Themenstarter
  • #143
Off-Topic:
Puh, wenn man einmal ausschläft, passiert so viel.


Erstmal danke Kokiri Kokiri fürs Eingreifen, denn ja, diese Art von Diskussion will ich hier wirklich nicht.

Bevor aber eine andere Diskussion losgeht, möchte ich kurz auch einen anderen Punkt aus meinem Eingangsposting aufgreifen:
Diejenigen, die solches Verhalten "nicht so schlimm" finden: Wenn ihr eine Frau seid und euch damit so arrangiert habt, dann will ich euch da diesen Beitrag zu eurer geistigen Gesundheit nicht madig machen, aber akzeptiert, dass es eben vorkommt und dass andere Frauen das sehr wohl schlimm finden. Ich hab die Umfrage auch extra so gestaltet, dass ich nicht frage, wie schlimm man das einzelne Vorkommnis fand.

Ich weiß, dass das ganze Thema an der Stelle schwierig ist, eben weil sehr viele Frauen ihre Erlebnisse schlimm bis extrem schlimm finden und es bei der Bewertung, ob das Verhalten des Mannes übergriffig war, auch gar nicht darauf ankommen sollte, wie schlimm die Frau das fand, sondern es in jedem Fall einfach übergriffig ist.
Aber ich bin auch ehrlich dankbar für diejenigen, die hier ihre Erlebnisse schildern, wenn sie sie nicht so schlimm fanden. Auch das erfordert Mut, das aufzuschreiben. Und auch das ist etwas, das passiert ist. Auch wenn man deshalb nicht "den Bär wählt", (oder auch trotzdem lieber den Mann wählt) ,sondern sich damit schon arrangiert hat, ist das eine Art, mit der Situation umzugehen. Und wenn das für die einzelne Frau funktioniert, um nicht bekloppt zu werden durch den ganzen Scheiß, der Frauen so immer wieder passiert, dann will ich ihr diese Möglichkeit da gar nicht madig reden. Auch wenn für mich die Vorkommnisse schlimmer wären als für sie. Aber auch diese frau sollte sich dafür nicht rechtfertigen müssen.

(Ich hoffe, das kam jetzt so nett und ausgleichend rüber, wie es gedacht war.)

Und dann nochmal ein ganz großes und dickes DANKESCHÖN für jeden einzelnen Bericht hier. Ich finde es echt so mutig und leider so hilfreich und nötig
 
reed
Benutzer116134  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #178
Als Mutter frage ich mich, wie/ob man sein Kind davor schützen/bewahren kann.
Ich persönlich fand diese “Mein Körper gehört mir”-Aktionen, die es an der Grundschule vor allem gab, schon ziemlich hilfreich. In meiner Erinnerung sind das vor allem Theaterstücke mit verschiedenen Situationen gewesen plus Regeln/Fragen. “Habe ich ein gutes Bauchgefühl dabei? Weiß jemand wo ich bin?”
Mir hat sich vor allem eingebrannt, dass ich auf mein Bauchgefühl hören darf. Dass ich mich unhöflich und komisch verhalten darf, wenn mein Bauchgefühl mir das sagt. Als Kind hört man ja eher ständig, sich zu benehmen. Das war eine wichtige Klarstellung und ich habe das auch einige Male gemacht - wer weiß, wovor mich das bewahrt hat.
 
jeko2007
Benutzer186762  (53) Verbringt hier viel Zeit
  • #203
Wir hatten einen Chemielehrer, so um die 60, der holte mal eine schlanke Mitschülerin an die Tafel. Während sie an der Tafel den "Endgegner" auflösen musste, wendete er sich "verbrüdernd" an die Klasse und machte sich über ihre kleinen Brüste lustig.

Ein SoWi-Lehrer eröffnete die Unterrichtsstunde mal damit, dass er gehört habe, dass ich eine neue Freundin habe und ob sie gut sei. Das war in der Oberstufe. Aber es war wirklich nach Beginn der Unterrichtsstunde, alle hatten sich gesetzt, die Tür war geschlossen und die Begrüßungsformeln waren gesprochen.

Das zweite Erlebnis war mir natürlich peinlich, aber ich bin da nicht das Opfer. Ich erzähle das, weil diese Geschichten alle auf den Tisch müssen, damit mal klar wird, WIE TIEF VERWURZELT DAS IST. Wir sind alle so aufgewachsen.
 
axis mundi
Benutzer172636  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #221
Off-Topic:
Ich bringe dieses Thema im Umfeld mit neuen Bekannten irgendwann immer mal wieder auf den Tisch. Gestern mit einem guten Bekannten in meiner Lieblingsbar und weil ich mich vorher mit unserer Themenkraft unterhalten hatte. Für mich ist die Bar ein Safe Space. Für sie war das ein „abseits gelegentlicher Objektifizierung, manchen sexistischen Sprüchen und Angeboten, die sie mehrfach ablehnen müsse“ wäre es hier ok. Und ich sagte dann: „also ist es verhältnismäßig gut?“ und sie: „im Alltag ist es schlimmer“. Mein Bekannter war geschockt, wir haben ihm Situationen geschildert und mehrfach beteuert, dass es nur einzelne Männer sind — er hat trotzdem zunächst erstmal das auch auf sich bezogen und versucht, das Eskalationsverhalten der Männer zu erklären. Allein das aufzulösen, dass es nicht um „normales“ Flirtverhalten geht, hat etwa zehn Minuten gedauert. Er sagte, er hätte das noch nie erlebt und auch nicht gehört. Habe ihm den Vorschlag gemacht, vielleicht mal eine Flasche Wein zu schnappen und mit den Frauen in seinem Freundeskreis ein offenes Gespräch zu suchen, denn ich halte ihn für jemandem, dem man diese Sachen auch erzählt. Habe ihn dann noch gewarnt, dass wahrscheinlich auch irgendwann Tränen, Wut, Schmerz oder auch absolute Neutralität kommen können. Die Barfrau nickte nur. Auch sie hatte Tränen in den Augen. Es ist schlimm, dass das so vielen einfach so als Teil des Alltags widerfährt. Noch schlimmer ist aber, dass es scheinbar für so einen großen Teil der Bevölkerung unsichtbar ist, weshalb einem selbst nicht geglaubt wird.
Ich finde es gut (!), dass es für viele Männer so ein „absurdes“ Thema ist. Auch wenn Sensibilisierung bei dieser Gruppe wichtig ist, denn auch bei Männern und Jungen gibt es Übergriffe (und wenn ich die Statistiken richtig im Kopf habe, auch hier primär durch Männer). Dennoch: Nur weil man es selbst nicht erfährt, es selbst nicht denkt, bedeutet es nicht, dass nicht eine große andere Menge an Menschen das so erfährt und es gibt leider auch heute noch genug Gründe, warum Frauen weder darüber sprechen, noch sich dagegen wehren (und manchmal kann man sich auch einfach nicht dagegen wehren, weil das Gehirn abschaltet, um schlimmeres zu vermeiden oder weil man selbst zu schockiert ist ob dem, was einem dort angetan wird oder um die sozialen Folgen nicht noch zu verschlimmern).
Letztlich ist es ein Thema, das die Stimmung sehr direkt absinken lässt. Es ist unangenehm, darüber zu sprechen. Es ist schmerzhaft, das zu erleben. Es sollte nicht noch schlimmer gemacht werden, indem man Sachen wie: „Aber nicht alle Männer sind so (nein, sind sie nicht. Die meisten Betroffenen wissen das auch) oder: „das hast du bestimmt falsch verstanden“ (die meisten Betroffenen, die ich kenne, warten eher sehr lang, bis sie es als das benennen, was es eigentlich ist — auch um sich nicht aufzuspielen oder jemanden zu unrecht zu beschuldigen), oder viele weitere Sprüche, die wir hier auch schon gelesen haben, um die Ohren geknallt bekommt. Vor allem dann nicht, wenn man sich öffnet und davon erzählt oder noch schlimmer: Hilfe in dem Moment braucht und so abgebügelt wird.

 
LULU1234
Benutzer107106  Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
  • #229
Ich muss, wie einige Männer hier, auch sagen, dass mit dieses Ausmaß an Übergriffen in alltäglichen Situationen schockiert und betroffen macht. Ich merke richtig, wie da eine Wut in mir aufsteigt. Leider muss ich sagen, dass mir Momente, in denen ich Grenzüberschreitungen feststellen konnten, nicht sehr präsent sind. Und da rede ich eben "nur" von Nichtbeachtung von Grenzen.

Zur Zeit der EM habe ich im beruflichen Kontext einen Übergriff erlebt, der mit in Erinnerung geblieben ist. Wir als Ordnungsamt waren immer recht zahlreich im Innenstadtbereich präsent. Eines Abends nahmen wir ein lautes Wortgefecht zwischen einem Paar war. Die Frau wollte absolut nichts von dem Mann in dem in dem Moment wissen und wurde durch diesen massiv bedrängt. Eine Kollegin von uns versuchte in bestimmenden Tonfall die Situation zu eskalieren. Nun handelte es sich um zwei Personen mit Migrationshintergrund, weshalb diese mit Sicherheit ihre berechtigten Ressentiments gegenüber Exekutivkräften haben. Mag ein Grund sein, dass die Frau keine Hilfe haben wollte und spielte die Situation herunter, wonach sie sich lediglich wie normale Paare streifen würden. Wie der Streit zuhause weiterging will ich mir nicht ausmalen.
Viele diese Sachen passieren ja auch im "privaten Raum" beziehungsweise alleine, siehe die Arztsituationen oder Gespräche mit dem Vorgesetzten. Oder sie passieren ganz schnell, das Grabschen in der Disco, das Vorbeidrängen, schön mit dem (steifen) Schwanz am Arsch entlang.
Erinnert ihr euch an den Hausmeisterfall in Italien? Der wurde nicht verknackt, weil das Angrabschen der Schülerin unter 10 Sekunden (!) gewesen ist. Das heißt, es ist gesellschaftlich nicht mal erwähnenswert, wenn etwas nur kurz (und zehn Sekunden können sehr lang sein) passiert. "war doch nicht so gemeint" oder "war doch nicht so schlimm."
 
H
Benutzer98820  Sehr bekannt hier
  • #236
Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Freundin angesprochen auf das Thema und bekam als Antwort aus einem ausdruckslosem Gesicht: Ja klar, Belästigung sei ganz normal. Beispielsweise hat sie mal als Schülerin gekellnert und wurde dabei regelmäßig von Typen angegrabscht (alle Altersstufen, Aussehen auch vielfältig... kein Muster zu erkennen). Sie ist irgendwann mal zu ihrer Chefin gegangen, die ihr dann einfach erklärt hat, das sei halt so, und wenn sie da feindselig auftritt, bleiben solche Gäste ja eventuell weg. :ratlos:

Ach scheiße, ich mein, was hier berichtet wird ist echt alles richtig übel, aber diese Arztgeschichten sind echt next Level scheiße! Das sollte doch ein Bereich sein, in dem man besonders geschützt ist, weil man eh schon vulnerabler als sonst ist.
Verwundbarkeit ist dabei gar nicht sooo entscheidend. Damals, in meiner glorreichen Karriere im Zivildienst, war eine der am eindringlichsten und immer wieder vermittelten Lektionen diese: Ganz egal, was du mit einem Bewohner, Patienten oder auch nur Besucher machst, du sagst vorher und währenddessen, was du machst. Damit sich hier niemand als Objekt "in der Gegend herumgeschubst" oder "stehengelassen" fühlt. Erst weitermachen, wenn irgendein Zeichen des Verstehens oder der Zustimmung kommt. Kommt das nicht: Nachfragen.
Selbst wenn es mal einen längeren Kontakt gibt (Patient ist mehrere Wochen dort, ...), immer wachsam sein, daß man nicht aus falsch eingeschliffenen Routinen etwas macht, was man halt seit Wochen schon so macht, aber genau jetzt nicht geht. Aber bei einem Patienten, den ich zum ersten Mal vor mir habe?!?
Daher dachte ich tatsächlich, daß das für Profis in solchen Berufen selbstverständlich wäre. Erst recht, wenn es darum geht, in den Körper einzudringen (seien es Öffnungen oder auch z.B. das Setzen von Spritzen etc.). :what:
 
wortevollerliebe
Benutzer171344  (29) Verbringt hier viel Zeit
  • #244
Ich habe vor einiger Zeit dieses Buch gelesen und habe mich sehr gesehen gefühlt. Ein Zitat daraus:

"Manchmal ist es schlimmer zu sagen, ich bin vergewaltigt worden, als tatsächlich vergewaltigt worden zu sein. Als würde man eine Todesnachricht überbringen. Man muss dabei zusehen, wie andere mit Abscheu reagieren. Für sie ist die Abscheu ein kurzes, inneres Gefühl, das sie ablegen können. Aber in mir hat sie einen festen Platz, wie ein inneres Organ."

Ich habe mich oft gefragt. Muss ich verzeihen? Kann ich verzeihen? Einige sagen: Ja, es ist besser, für deinen Seelenfrieden. Andere sagen: Er muss für immer mit dem leben, was er dir angetan hat. Ich finde, Hass ist ein starkes Wort, aber ich denke passend. Ich habe ihn sehr geliebt, aber gleichzeitig hasse ich ihn dafür, dass er mir den Teil von mir genommen hat, der ich vorher war.
 
ugga
Benutzer172492  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #246
wortevollerliebe wortevollerliebe weil du es aufbringst, aber nicht auf Dich bezogen: Ich finde diese Verzeihen-Debatte so müßig, auch aus meiner missbräuchlichen Kindheit heraus.
Verzeihen gibt es für mich nur für die, die Reue zeigen und um Entschuldigung bitten. Warum soll ich jemandem verzeihen, der/die das in dem Bewusstsein getan oder unterlassen hat, mir zu schaden?

Warum soll ich gutheißen, dass mir jemand Gewalt angetan hat? Nein. Meine Wut darüber war das, was mich am Leben gehalten hat, was mir Kraft gegeben hat. Meine Wut sagt „hier ist meine Grenze, das war nicht okay“. Ich finde es sehr gut, dass ich bis heute darüber Wut empfinden und für mich da sein kann.

Einen Umgang damit finden, mich nach einer Phase der Trauer (um das, was mir genommen wurde) und Verarbeitung nicht mehr ständig darum drehen, ja. Für mich, für mein Leben. Um nach vorne blicken zu können, so gut es geht.

Verzeihen fühlt sich für mich aber nach etwas an, was den Täter:innen quasi die Absolution gibt. Und das haben sie nicht verdient.
 
Fantasy.
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  • #343
Es sollte für diesen Thread zwar allgemeingültig sein, aber an der Stelle nochmal eine Triggerwarnung.

Im Sommer war ich eine Woche lang ziemlich krank, konnte definitiv keinen Sport machen und bin abends irgendwann die Wände hochgegangen, weil ich Bewegung brauchte, was irgendwann auch meinen Schlaf beeinträchtigt hat. Als dann auch noch Husten dazukam und nur frische Luft geholfen hat, bin ich abends vom Schlafengehen immer nochmal spazieren gegangen. Ich hatte dabei kein gutes Gefühl, also habe ich immer mit meiner Mutter telefoniert, ihr Live meinen Standort geteilt und hatte etwas zur Selbstverteidigung in der Hand. Von manchen Männern bin ich sehr skeptisch angeschaut worden, so als würden die gerade hinterfragen, ob ich in dieser Situation die Irre bin oder sie so bedrohlich wirken. Was mich irgendwann hat zweifeln lassen, ob ich nicht etwas übertreibe.

Es gibt jetzt Fahndungsaufrufe der Polizei mit Phantombild. Für einen Täter, der genau in dem Zeitraum, in dem ich so krank war, eine Frau, etwas jünger als ich, überfallen und angegriffen hat. In der Gegend, in der ich unterwegs war, um eine Uhrzeit, nur wenig später, als ich meist unterwegs war. Das hätte ich sein können. Erkannt habe ich ihn auf dem Bild nicht. Ich wohne eigentlich in keiner schlechten Gegend, zwei Straßen weiter ist ein Polizeirevier. Wie abgebrüht muss man sein, neben einer Polizeistation so ein Verbrechen zu verüben?
Er hat sich scheinbar einer Masche bedient, um sie erst in ein Gespräch zu verwickeln und Small Talk zu führen und sie dann ganz plötzlich zu überwältigen. Und ich bin mir leider recht sicher, dass ich darauf auch reingefallen wäre. Das macht mich so sauer. Wie soll man sich denn da schützen können? Eines seiner Hobbys streichen und stattdessen Selbstverteidigung lernen, auch wenn es einem gar keinen Spaß macht? Nie mehr nachts oder allein unterwegs sein? Nachts oder in verlassenen Gegenden niemandem mehr helfen, weil es ja eine Masche sein könnte? Das ist doch bescheuert.

Ich glaube, ich nehme doch den Bären. Bären spielen keine hinterhältigen Spielchen.
 
Funksoulbrother
Benutzer58558  Meistens hier zu finden
  • #344
Was mich als Mann wirklich beschäftigt, ist die Frage, wie viele Männer sexuell übergriffig sind, wie verbreitet solches Verhalten unter Männern ist. 10% wären schlimm genug.

Ich kenne auch Männer, die sich zumindest in "Männergesprächen" teilweise gruselig misogyn über Frauen äußern, und stelle mir dann schon manchmal die Frage, wie weit sie ihr Verhalten dann gegenüber Frauen treiben.

Ganz unheimlich finde ich, dass Frauen zum Teil sagen, dass sie sich gelegentlich nicht trauen, zum Mann "Nein" zu sagen, wenn sie etwas nicht möchten. Was zur Hölle sagt das über die Ausmaße des Zwangs aus, den Männer offensichtlich auf Frauen ausüben? Nichts Gutes jedenfalls.
 
M
Benutzer181426  (43) Verbringt hier viel Zeit
  • #345
Ganz unheimlich finde ich, dass Frauen zum Teil sagen, dass sie sich gelegentlich nicht trauen, zum Mann "Nein" zu sagen, wenn sie etwas nicht möchten. Was zur Hölle sagt das über die Ausmaße des Zwangs aus, den Männer offensichtlich auf Frauen ausüben? Nichts Gutes jedenfalls.
Auch wenn das nicht so sein sollte: Manchmal überlegt frau es sich, ob sie mit einem klaren Nein in die Konfrontation geht oder lieber im Guten versucht, das Ganze in Bahnen zu lenken, mit denen sie leben kann.
 
Funksoulbrother
Benutzer58558  Meistens hier zu finden
  • #346
Auch wenn das nicht so sein sollte: Manchmal überlegt frau es sich, ob sie mit einem klaren Nein in die Konfrontation geht oder lieber im Guten versucht, das Ganze in Bahnen zu lenken, mit denen sie leben kann.
Und das finde ich wirklich unheimlich.

Zu mir z. B. kann man IMMER "Nein" sagen. Und dann kann ich ja nur hoffen, dass in meinem Fall noch keine Frau "Nein" meinte, aber "Ja" sagte. (Ich glaube nicht. Aber kann ich es wissen?)

Gerade wenn du nicht nur auf Blümchensex stehst (wobei ich z. B. auch überhaupt nichts mit "Rape Play" usw. anfangen kann), ist das zumindest potenziell beunruhigend.

Ich weiß nicht, ob klar ist, was ich meine ...
 
Fantasy.
Benutzer172046  Beiträge füllen Bücher
  • #347
Off-Topic:

Bei vielen ist es nicht nur potenziell. Ich habe schon extrem viel mit mir machen lassen, weil ich dachte, ich hätte schlicht kein Recht dazu, nein zu sagen, oder weil mein Nein sowieso nicht gehört wurde oder weil ich Angst vor der Reaktion hatte, nachdem auf mein letztes Nein eine sehr negative Reaktion kam. Oder weil ich das Gefühl hatte, etwas nicht nicht wollen zu dürfen und dass ich das Problem wäre, wenn ich es nicht wollte. Oder dass ich meine Meinung schon noch ändern würde, wenn ich es nur durchziehen würde. Manchmal habe ich dadurch sogar explizit ja gesagt in Situationen, in denen ich am liebsten laut Nein geschrien hätte. Selbst nachdem ich mir geschworen hatte, das nie wieder zuzulassen, ist es immer wieder passiert, weil ich so weit schlicht nicht denken konnte in dem Moment und die Gewohnheit übernommen hat. Sowas zu verlernen braucht richtig viel Zeit und die richtigen Menschen. Wenn man selbst irgendetwas tun möchte, dann, sich mal selbst zu hinterfragen. "Ach, komm schon" ist genauso wie "Trau dich" oder "Mach doch einfach" oder "Bist du sicher, dass du nicht willst", dicht gefolgt von Sätzen, die mit "aber..." beginnen in vielen Situationen übergriffig, aber noch sehr viel verbreiteter, als wenn es um Intimität geht. Wer bei so kleinen alltäglichen Dingen wie Fotos, Mutproben, Spielen, Essen oder anderen Tätigkeiten (gerne auch Umarmungen...gruselig) schon ein Nein nicht akzeptiert, festigt genau diese Wahrnehmung: mein Nein wird nicht gehört, mein Nein ist falsch. Es ist egal, ob man sowas im Scherz sagt, ob für einen selbst klar ist, dass man das nie erzwingen würde. Wenn die andere Person das nicht auch weiß, hinterlässt das ganz schnell einen falschen Eindruck. Es braucht keine furchtbaren Männer mit dem Ego eines Zeppelins, die noch nie das Wort Konsens gehört haben, um solche Mechanismen zu prägen.
 
Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • Themenstarter
  • #348
Ich versteh, dass das als Mann ein ungutes Gefühl ist. Aber für Frauen ist das noch viel bedrückender.

Ich mein, man muss sich nur mal das ansehen:

Fast jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner mit Tötungsabsicht angegriffen in Deutschland. Rein statistisch, wenn heute eine Frau von ihrem Partner totgeprügelt wurde, ist spätestens Sonntag die nächste dran. Und natürlich sind nicht alle Männer so, aber eben genug. Und auch die Männer, die so sind, sind so doch nicht am Anfang einer Beziehung, sondern erst, wenn man ihnen vertraut, wenn man abhängig ist, wenn man nichts schlimmes mehr erwartet.

Dazu noch das Muster, dass viele Männer, auch die, die nicht gleich zu körperlichen Gewalt greifen, schlicht ein Nein nicht akzeptieren, sondern einfach immer weiter machen und weiter nerven. Ich mein, guck in die Liste, 69% der Teilnehmerinnen haben das als "jop, auch schon erlebt" angegeben.

Wie lang kannst du kämpfen, wenn du quasi permanent kämpfen musst und nur sehr selten Pause kriegst?

Margaret Atwood hat mal sehr treffend gesagt: Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them
 
Funksoulbrother
Benutzer58558  Meistens hier zu finden
  • #349
Ich versteh, dass das als Mann ein ungutes Gefühl ist. Aber für Frauen ist das noch viel bedrückender.

Ich mein, man muss sich nur mal das ansehen:

Fast jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner mit Tötungsabsicht angegriffen in Deutschland. Rein statistisch, wenn heute eine Frau von ihrem Partner totgeprügelt wurde, ist spätestens Sonntag die nächste dran. Und natürlich sind nicht alle Männer so, aber eben genug. Und auch die Männer, die so sind, sind so doch nicht am Anfang einer Beziehung, sondern erst, wenn man ihnen vertraut, wenn man abhängig ist, wenn man nichts schlimmes mehr erwartet.

Dazu noch das Muster, dass viele Männer, auch die, die nicht gleich zu körperlichen Gewalt greifen, schlicht ein Nein nicht akzeptieren, sondern einfach immer weiter machen und weiter nerven. Ich mein, guck in die Liste, 69% der Teilnehmerinnen haben das als "jop, auch schon erlebt" angegeben.

Wie lang kannst du kämpfen, wenn du quasi permanent kämpfen musst und nur sehr selten Pause kriegst?

Margaret Atwood hat mal sehr treffend gesagt: Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them
Ich meinte ja nur, weil ich 0,0% Interesse daran habe, einer Frau ein schlechtes Gefühl zu bereiten. Mir ist auch ein Rätsel, was solche Männer umtreibt. Mir ist z. B. zuwider, eine Frau zu etwas "überreden" zu wollen, was sie nicht will, geschweige denn auch nur unterschwelligen Druck aufzubauen. Aber ich raffe tatsächlich auch manchmal nicht, wie Männer über Frauen reden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Arcadi
Benutzer212294  Klickt sich gerne rein
  • #350
Wenn ihr das alles so schlimm findet, warum seid ihr dann nicht dagegen, dass so viele Männer aus frauenfeindlichen Gesellschaften hierherkommen, diese Denke mitbringen und natürlich auch hier ausleben?
 
froschteich
Benutzer164451  (37) Beiträge füllen Bücher
  • #351
Wenn ihr das alles so schlimm findet, warum seid ihr dann nicht dagegen, dass so viele Männer aus frauenfeindlichen Gesellschaften hierherkommen, diese Denke mitbringen und natürlich auch hier ausleben?
Ich empfinde unsere Gesellschaft auch als frauenfeindlich.

Und wann immer ich von einem Mann bedroht wurde und ein muslimischer Mann in der Nähe war, ist der mir sofort zur Hilfe gekommen. Das ist etwas was ich weder von österreichischen Frauen noch Männern sagen kann.

Klar, die Regierungen und Rechte der Frauen sind in islamischen Ländern grauenvoll. Aber das bedeutet nicht, dass es die Menschen auch sind. Genauso wie wir viele Frauenrechte haben und ich mich hier trotzdem manchmal nichtmal traue, einem Mann einen Korb zu geben, weil er aggressiv werden könnte.

Das hat einfach nix mit Wir gegen die Moslems zu zun. Das ist Wir gegen die Misogynie.
 
Funksoulbrother
Benutzer58558  Meistens hier zu finden
  • #352
Wenn ihr das alles so schlimm findet, warum seid ihr dann nicht dagegen, dass so viele Männer aus frauenfeindlichen Gesellschaften hierherkommen, diese Denke mitbringen und natürlich auch hier ausleben?
Was ist denn das für ein pauschaler Mist?
 
M
Benutzer193947  (33) Öfter im Forum
  • #353
Sollten wir auch alle europäischen Männer pauschal abschieben - und wenn ja, wohin?
Alle Übergriffigkeiten, von denen ich z.B. hier berichtet habe, gingen von Biodeutschen aus. Arschlöcher gibt es in jeder Gesellschaft.
 
Diania
Benutzer186405  (53) Sehr bekannt hier
  • #354
Leider nicht zitierbar. Von Fantasy. Fantasy.
Wer bei so kleinen alltäglichen Dingen wie Fotos, Mutproben, Spielen, Essen oder anderen Tätigkeiten (gerne auch Umarmungen...gruselig) schon ein Nein nicht akzeptiert, festigt genau diese Wahrnehmung: mein Nein wird nicht gehört, mein Nein ist falsch. Es ist egal, ob man sowas im Scherz sagt, ob für einen selbst klar ist, dass man das nie erzwingen würde.
Man muss auch immer wieder betonen, es beginnt ja schon sehr früh, dass wir eben lernen oder auch nicht lernen, dass unser Nein zählt. Genau solche Dinge wie von dir beschrieben, müssen auch Eltern ihren Kindern als verneinbar zugestehen, ohne gleich den vermeintlichen kleinen Tyrannen in der Entstehung zu befürchten. Deshalb cooler Ansatz der Spanier (siehe @Ishtars Artikel) früh mit Kursen zu beginnen um das Selbstbewusstsein zu stärken.
 
Ishtar
Benutzer158340  Planet-Liebe Berühmtheit
  • Themenstarter
  • #355
Ich möchte AUSDRÜCKLICH darum bitten, das hier NICHT zu einer pseudo-politischen Debatte zu machen! Guckt, in welchem Forum wir sind, dann Hirn einschalten, danke!
 
axis mundi
Benutzer172636  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #356
Bitte beim Thema bleiben.
Hier geht es um die Erfahrungen von Frauen und nicht um die Mutmaßungen zu möglichen speziellen Tätergruppen.
 
Duracellhäschen
Benutzer211462  (44) Öfter im Forum
  • #357
Fast jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner mit Tötungsabsicht angegriffen in Deutschland.
Ich darf ergänzen: meines Wissens nach wird jeden. einzelnen. Tag. in Deutschland eine Frau von einem Mann in Tötungsabsicht angegriffen. Und jeden dritten Tag schafft es einer, eine Frau zu töten.

Ansonsten kann ich nur Fantasy. Fantasy. Recht geben. Frauen bzw. Mädchen wird und wurde teilweise gezielt die Selbstbestimmung aberzogen, deutlich mehr noch als Männern. Und das schon vom Babyalter an. Mich beschäftigt das Thema seit Jahren, weil es mich persönlich betrifft, und ich hab mich schon oft mit Männern darüber unterhalten. Das ist so unterschiedlich in den Rollenbildern verankert, dass die meisten Männer sich nicht mal vorstellen können, wie es für eine weiblich gelesene Person ist, in unserer Kultur geprägt zu werden.

Mädchen wurden und werden häufig für das hübsche Kleidchen gelobt, für die schöne Frisur. Dafür, dass sie brav sind, dass sie lieb sind. Jungs werden für geleistete Taten gelobt, seltenst für den hübschen Pulli. Ich bin über den Klee für meine Hilfsbereitschaft gelobt worden und hart sanktioniert worden, wenn ich etwas anderes wollte als meine Eltern für mich. Ich dachte sogar sehr lange, ich sei ein bisschen trans und wäre lieber ein Mann, bis mir klar geworden ist, dass meine Brüder halt immer viel mehr Freiheiten hatten und viel mehr durften, und ihnen ein eigener Geschmack und Wille von Anfang an zugestanden wurde, im Gegensatz zu mir. Ich hatte also nie ein Problem mit meinem Geschlecht, sondern dem Rollenbild und den Freiheiten, die damit einhergehen.

Wenn eine Frau wütend ist, hat sie sich angeblich nicht im Griff, übertreibt, ist zickig, hat PMS oder ihre Tage. Dass Wut das treibende Gefühl ist, das uns unsere Grenzen spüren lässt, und das wir zwingend brauchen um nein zu sagen, wird dabei ignoriert (und manchmal denke ich, dass das kein Zufall ist). Ist eine Frau wütend, wird sie belächelt, ist ein Mann wütend, bekommt er Raum und Respekt.

Die ganze Gesellschaft und unsere Rollenbilder sind immer noch dafür ausgelegt, dass Frauen sich anpassen und Männer sich übermäßig viel Raum nehmen können.

Macht mich direkt wieder wütend, wenn ich drüber nachdenke. Aber wenn man das von frühesten Kindesbeinen an so indoktriniert gekriegt hat, gewöhnt man sich da nicht so schnell um. Erst mal muss es einem überhaupt bewusst werden. Und dann ist es so, als solle man plötzlich lernen, immer mit den Händen zu laufen statt den Füßen. Zumal frau ja auch im realen Leben ne Menge Gegenwind kriegt und sich teilweise Gefahren aussetzt, wenn sie nicht freundlich und nett ist.

Und dass dieser Unterschied vielen Männern offensichtlich noch nicht mal bekannt ist, finde ich durchaus schockierend. Alles, was man sich nicht bewusst gemacht hat, lebt man ja unbewusst weiter aus. Den eigenen Kindern gegenüber, den Frauen im Umfeld gegenüber...
 
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